Gefahrene Strecke in Kilometern: 500, Preis fürs Mittagessen in Euro: ca. 1

Malakka ist eine Küstenstadt im gleichnamigen Bundesstaat auf der malaiischen Halbinsel, ca. 200km von Singapur entfernt. Die Geschichte der Stadt reicht gut dokumentiert bis ins 15. Jahrhundert zurück, deshalb gilt sie aus Singapurer Sicht auch als „wahnsinnig historisch“, klar, wenn man in der eigenen Stadt lieber die 857. Shopping-Mall baut, anstatt historische Gebäude zu erhalten. 🙂

Durch seine für die Handelsschifffahrt günstige Lage an der Meerenge „Straße von Malakka“ war das Gebiet seit jeher für die Kolonialmächte interessant. So war die Stadt zunächst chinesisch, dann portugiesisch, dann holländisch und dann englisch. Erst seit 1957 ist sie unabhängig. Seit 2008 gilt die Stadt wegen der gut erhaltenen historischen Gebäude und einem großen Chinatown-Gebiet als UNESCO-Weltkulturerbe.

Genug Geschichte für heute, so war unser Trip: Morgens um acht standen wir verschlafen am Bus-Terminal und bestiegen einen großen Überland-Bus, der zwar weder Sicherheitsgurte noch nen Not-Ausstieg, dafür aber sehr bequeme Sitze hatte, die man auch komplett in die Horizontale stellen konnte. Deshalb gibts von der Hinfahrt auch nix zu berichten, die habe ich nämlich fast komplett verschlafen.

Bis wir an die Grenze kamen, ein Phänomen, das für mich Jung-Europäerin nur noch ganz dunkel in Erinnerung war. Im Klartext heißt das, an der singapurischen Grenze raus aus dem Bus, in die Schlange stellen, sich vorher noch von einer Schweinegrippe-Wärmekamera checken lassen, Pass zeigen und durchgehen. Rein in den Bus, nur um einen Kilometer weiter an der malaiischen Grenze wieder auszusteigen, wieder in die Schlange stellen, den Pass und eine vorher ausgefüllte Immigration-Karte vorzeigen, dem Beamten noch erklären, wie man den eigenen Vornamen ausspricht und auf der anderen Seite den richtigen Bus wiederfinden. Da das ca. 20 andere Busse voll Menschen auch machen müssen, kann dieser Abschnitt der Reise auch mal locker 2 Stunden dauern.

In Malakka angekommen, haben wir uns von einem Taxi nach Chinatown fahren lassen, wieder ohne Gurte, dafür mit schwarzen Vorhängen an den Fenstern und Tierfellbezügen innendrin, sehr stylisch. Vor Ort sind wir erstmal in ein Restaurant, dass die berühmten Chicken Rice Ball anbietet, d.h. gegrilltes Hähnchen mit Reis, der so lange gekocht wird, bis er eher Grieß ist und sich in kleine Bällchen formen lässt. Da es mittlerweile 14 Uhr und wir halb verhungert waren, hat es hervorragend geschmeckt und umgerechnet nur ca. einen Euro gekostet.

Der Rest ist schnell erzählt: Angesehen haben wir uns noch das holländische Rathaus, Überreste einer portugiesischen Festung und ein Schiffsmuseum, das einem riesigen portugiesischen Segelschiff nachempfunden wurde. Das Highlight war dann eine Fahrt in einem der hundert Fahrrad-Taxis. Ihr wisst schon, die Fahrräder mit Anhänger, die über und über mit Plastikblumen in den krassesten Farben dekoriert sind, die oft sogar CD-Anlagen installiert haben und die wahrscheinlich das meistfotografierte Motiv der Stadt sind. Nachdem wir uns also zunächst über die Mitfahrenden lustig gemacht und den Kopf geschüttelt hatten, siegte 2 Stunden später unsere Faulheit und wir ließen uns selbst damit rumkutschieren.

Um sieben Uhr saßen wir dann total müde wieder im Bus, allerdings in der letzten Reihe, was jedes Loch in der Straße zu einem achterbahn-mäßigen Erlebnis werden ließ und so an schlafen nicht zu denken war, bis wir dann gegen elf wieder zu Hause waren.